Zeit, ans Schenken zu denken
Geschenkezeit ist immer. Erstaunlich häufig im Jahr stellt man fest, dass mal wieder alle Menschen, die einem in einer auch nur ein bisschen näheren Weise bekannt sind, auf einmal Geburtstag haben. Und dann soll man auch noch immer etwas parat haben. Wie geht man vor?
Bleib deinen Freunden treu
Meistens läuft die Suche ja doch immer nach dem selben Schema ab: man schiebt den Einkauf so lange vor sich her, bis es nicht mehr geht. Notfalls verzögert man die Herausforderung durch die unangenehme Aufgabe, sich damit auseinander setzen zu müssen, was man über seine lieben Freunde eigentlich weiß, durch andere Aktivitäten – eine Handlungsweise, deren lateinische Bezeichnung Prokrastination sich zunehmendeer Beliebtheit erfreut – ja, es ist nachgereade zu einem Modewort geworden. Und das ist nicht verwunderlich in Zeiten, in denen die Menschen zunehmend sinnentleerte Arbeit verrichten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Kein Wunder, dass sich solche Verhaltensweisen einschlafen und auf den Alltag übertragen. Dabei darf man nie vergessen: es handelt sich um Freunde, Menschen, die man lieb hat, und nicht irgendwelche lästigen, gierigen Elemente, die als notwendige Übel versorgt werden müssen. Man besinne sich also: Geschenke sind Gaben der Zuneigung an diejenigen Leute, die einem ein häufig schwer erträgliches Leben versüßen.
Geschenktraditionen
Selbstredend gibt es auch andere Geschenkanlässe als die Geburtstage von Freunden oder Weihnachten – ein Fest, bei dem man ja doch aus ähnlichen Gründen schenkt wie an Geburtstagen, auch wenn es sich beim Jubilar streng genommen um einen nahöstlichen Sohn eines Zimmermannes handelt, der vor ca. 2000 Jahren von den römischen Besatzern hingerichtet wurde – ein Mensch den niemand, der heute lebt, persönlich kennt (abgesehen von religiösen Menschen, die steif und fest behaupten, dem Heiland begegnet zu sein – aber dann sprechen sie entweder metaphorisch oder irgend etwas in ihren Köpfen läuft ein wenig seltsam). Offenbar gibt es Kulturen, zu denen unsere augenscheinlich gehört, welche auf Gedeih und Verderb Anlässe generieren, seine Mitmenschen zu beschenken. Das ist ja auch gar nicht unbedingt verkehrt. Man denke nur an Einladungen bei Kollegen, Freunde von Freunden, deren Haus in Dänemark man für zwei Wochen bezieht (und denen man nie persönlich begegnet ist. Sei es ein gleichwertiges gegenseitiges Geben und Nehmen, sei es eine freundliche Geste, die einem die gute Kinderstube gebietet, sei es der Wunsch, seine Lieben einfach mal spontan zu überraschen und verwöhnen – Schenken ist schick, und manchmal ziemt es sich auch einfach. In Japan ist man in dieser Hinsicht übrigens noch um einiges radikaler als in Mitteleuropa: Gastgeschenke sind an der Tagesordnung, und unternimmt jemand einen Ausflug, so bringt er selbstverständlich regionale Spezialitäten mit. Das können notfalls auch erfundene Spezialitäten sein, etwas also, das einfach kurzerhand als örtlicher Klassiker deklariert wird. Man kann dann in den Souvenir-Shops zum Beispiel Schachteln mit Keksen käuflich erwerben, die naturgemäß alle einzeln verpackt sind – für jeden Kollegen einen. Garantiert frisch und garantiert aus der Region. Aber ob in Deutschland oder in Japan: es empfiehlt sich immer, ein, zwei Geschenke für den Notfall parat zu haben. Denn der nächste überraschende Geburtstag überfällt einen bestimmt und erfordert eine Geburtstagsüberraschung.